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Forschung:

Unsere Sammlungen stehen für Forschungszwecke zur Verfügung für: Staatlichen Stellen, Museen und deren Mitarbeitern, anerkannten Bildungseinrichtungen, Universitäten und deren Mitarbeitern und Studenten, anderen Personen auf Antrag.


Fehmarn, 2.8.2016  -  Bielefelder Riesenlurch jetzt auf Fehmarn:


Das Museum Galileo-Wissenswelt fertigt zwei Abgüsse aus der original Abgussform des Cyclotosaurus Buechneri. Ein Abguss verbleibt im Museum Galileo-Wissenswelt, der zweite Abguss geht zurück ins Museum Bielefeld.


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Links: Die Paläontologen Sachs (Naturkunde-Museum Bielefeld) (r.) und Dr. Nyhuis (Galileo-Wissenswelt) (l.) mit dem Rohling des Schädels. Rechts: So könnte der Bielefelder Cyclotosaurus ausgesehen haben (Zeichnung: Joschua Knüppe).

Eine Gruppe Paläontologen hat den fossilen Schädel eines aus Bielefeld stammenden Riesenlurchs untersucht und festgestellt, dass es sich dabei um eine neue Art handelt. Das ist der erste eindeutige Nachweis dieser ausgestorbenen Tiergruppe in Norddeutschland. Eine Kopie des Originals ist jetzt im Museum „Galileo-Wissenswelt“ (Fehmarn) ausgestellt .

Vor über 40 Jahren hat Dr. Martin Büchner, damals Direktor des Naturkunde-Museums Bielefeld, den etwa 30cm langen Schädel eines Riesenlurchs in Bielefeld gefunden (Bild rechts). Seitdem wurde das Fossil in der dortigen Sammlung aufbewahrt. Eine erstmalige wissenschaftliche Bearbeitung durch die drei Paläontologen Dr . Florian Witzmann (Museum für Naturkunde Berlin), Sven Sachs (Naturkunde-Museum Bielefeld) und Dr. Christian Nyhuis (Galileo-Wissenswelt) hat dabei überraschendes ergeben: Der Bielefelder Lurch ist eine neue Art und der einzige Vertreter der sogenannten „Rundohrlurche“ in Norddeutschland.

Zu Ehren des Finders wurde die neue Art Cyclotosaurus buechneri getauft. „Das Tier lebte vor 225 Millionen Jahren, also noch bevor die Dinosaurier ihren Siegeszug antraten und es erreichte eine Körperlänge von etwa 1,2 – 1,5 Metern“, so Sachs. Witzmann ergänzt: „ Der damalige Lebensraum war geprägt durch eine weite Fluss- und Sumpflandschaft, bewachsen mit riesigen Schachtelhalmen. Auf dem Speiseplan des Cyclotosaurus standen dabei hauptsächlich Fische und kleinere Lurche.“

Aufgrund der hohen Zerbrechlichkeit und des hohen wissenschaftlichen Wertes des Fossils, wird das Original gut verschlossen in klimatisierten Sammlungsräumen des Naturkunde-Museums Bielefeld aufbewahrt. Um der Öffentlichkeit das Stück aber trotzdem zugänglich zu machen, überreichte Sachs der Galileo-Wissenswelt auf Fehmarn einen Latex-Rohling des Originals (Bild links). Mit ihm wurde eine detailgetreue Kopie erstellt, die ab jetzt im Museum „Naturkunde“ ausgestellt ist.

 

Die Publikation:

Witzmann, F., Sachs, S. & Nyhuis, C.J. (2016): A new species of Cyclotosaurus (Stereospondyli, Capitosauria) from the Late Triassic of Bielefeld, NW Germany, and the intrarelationships of the genus. – Fossil Record 19, S. 83-100. ( http://www.foss-rec.net/19/83/2016/fr-19-83-2016.pdf )

 

Die Autoren der wissenschaftlichen Publikation:

 

  • Dr. Florian Witzmann ist Kurator für fossile Fische und Amphibien am Museum für Naturkunde in Berlin. Er ist Spezialist für die Anatomie urtümlicher Amphibien und die evolutionäre Entwicklung vom Fisch zum Lurch.
  • (florian.witzmann@mfn-berlin.de)
  • Sven Sachs (Gastwissenschaftler und paläontologischer Berater am Naturkunde-Museum Bielefeld) hat jahrzehntelange Erfahrung in der Erforschung ausgestorbener Meeresreptilien und anderer fossiler Wirbeltiere.
  • (sachs.pal@gmail.com)
  • Dr. Christian Nyhuis ist wissenschaftlicher Leiter der Galileo-Wissenswelt auf Fehmarn und befasst sich hauptsächlich mit Gesteinen und Fossilien des späten Erdaltertums, sowie der Lebensweise ausgestorbener Wirbeltiere.
  • (christian.nyhuis@galileo-fehmarn.de)